Vergütungsstudie 2018-02-17T13:02:36+00:00

VERGÜTUNGSSTUDIE – BEDARF

Entscheidungsträger/-innen in der öffentlichen Verwaltung und öffentlichen Unternehmen sind regelmäßig vor die Aufgabe gestellt, anspruchsvolle Vergütungsentscheidungen bei öffentlichen Unternehmen treffen, vorbereiten und prüfen zu müssen oder Zielvereinbarungen bzw. erfolgsbezogene Vergütung turnusmäßig zu verhandeln.

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Public Corporate Governance Kodizes sehen als Grundsatz guter Unternehmensführung vielfach vor, Vergütungsentscheidungen im Vergleich des Branchenumfelds vorzunehmen (s.o. Vergleichstabelle). Daneben existieren in einigen Gebietskörperschaften Regelungen in Beteiligungsrichtlinien, Beteiligungshandbüchern oder Hinweise zur Beteiligungsführung.

Von betroffenen Akteuren wurde ein hoher Bedarf an diesen Studien geäußert, um einen aussagekräftigeren Orientierungsrahmen für Vergütungsentscheidungen zu erhalten. Die Ausgestaltung und die verwendeten Informationsgrundlagen für die Vergütungsentscheidung sind zunehmend auch Bestandteil der sogenannten Betätigungsprüfung von Rechnungshöfen und Rechnungsprüfungsämtern. Dafür bietet das Vergütungsportal öffentliche Unternehmen mit Individualbenchmarking-Studien und der Vergütungsstudie eine fundierte Arbeitsunterstützung.

Die Erstellung der von Prof. Dr. Ulf Papenfuß von der Zeppelin Universität Friedrichshafen und seinem Team durchgeführten Vergütungsstudie wird vom Deutschen Städtetag unterstützt.

INHALTE DER VERGÜTUNGSSTUDIE

In die neue Studie 2018 sind die aktuellen verfügbaren Vergütungsdaten von über 2.650 Top-Managementmitgliedern aus über 1.450 unmittelbar und mittelbar maßgeblich beeinflussten Unternehmen der öffentlichen Hand (Beteiligungsanteil mind. 50%) aus allen Städten mit einer Einwohnerzahl größer 30.000, allen Landkreisen sowie von Bund und Ländern eingegangen.

Hierfür wurden Vergütungsdaten durch viele Gebietskörperschaften auf unserem PCG-Forschungsportal eingegeben. Darüber hinaus wurden bei über 6.600 Unternehmen Jahresabschlüsse, Corporate Governance-Berichte, Beteiligungs- und Vergütungsberichte sowie Offenlegungs- und Transparenzportale in Bezug auf die offengelegten Vergütungsdaten analysiert.

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Top-Management-Mitglieder
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Öffentliche Unternehmen
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Dokumente analysiert

Für eine sachgerechte Vergleichsmöglichkeit wird die Aufbereitung der Vergütungsdaten der Unternehmen der kommunalen Ebene (Städte und Landkreise) sowie von Bund und Ländern jeweils separat ausgewiesen (Inhaltsverzeichnis der Studie).

Die Studie bietet ein breites Portfolio an Auswertungs- und Vergleichsmöglichkeiten:

  • Differenzierte Auswertungen für über 20 Branchen (u.a. deutsche Sparkassen) der kommunalen Ebene sowie für Bund und Länder
  • Absolute Vergütung (Gesamt-/erfolgsbezogene Vergütung, Altersvorsorge, Nebenleistungen)

  • Auswertungen nach Unternehmensgrößenklassen, Regionen und Einwohnerzahl

  • Relative Vergütung in Bezug zur Zahl der Arbeitnehmer/innen, Bilanzsumme und Umsatz

  • Übersicht der Vergütung der jeweiligen Top-Managementmitglieder für Unternehmen mit öffentlich verfügbaren Vergütungsdaten
  • Kompakte Steckbriefe für branchenbezogene Auswertungen

  • Zusätzliches Kapitel zu Unterschieden bei der Vergütungshöhe zwischen Frauen und Männern mit Blick auf die gesellschaftspolitische Debatte zu „Gender Pay Gap“ und zur Unterstützung der Gleichstellungsarbeit vor Ort

DARSTELLUNGSBEISPIELE

Der folgende Abschnitt soll Ihnen -zusätzlich zum Inhaltsverzeichnis- einen ersten Eindruck über die Studieninhalte vermitteln:

  • Branchenübergreifende durchschnittliche Gesamtvergütung pro Kopf auf kommunaler Ebene: 141.433 Euro (Angaben stets Medianwerte)
  • Substanzielle Vergütungsunterschiede: Vergütung pro Kopf von Mitgliedern des Top-Managements z.B. bei Stadtwerken bei 217.500 Euro mehr als doppelt so hoch wie in der Branche in Gesundheit & Soziales 87.791 Euro

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Das branchenübergreifende Vergütungsgefälle kann u.a. mit den unterschiedlich großen Unternehmen innerhalb der Branchen zusammenhängen (siehe  obenstehende Abbildung). Dennoch sollte in Anbetracht der deutlichen Unterschiede zwischen den Branchen analysiert werden, inwieweit die Vergütungsunterschiede die Bedeutung der von den jeweiligen Branchen abgedeckten Politikfelder angemessen reflektieren. Es kann für diese Unterschiede nachvollziehbare Gründe geben, diese Gründe sollten jedoch sachlich diskutiert und fortlaufend dokumentiert werden.

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Gesamtvergütung pro Kopf (Stadtwerke)
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Gesamtvergütung pro Kopf (branchenübergreifend)
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Gesamtvergütung pro Kopf (Gesundheit und Soziales)

Wichtig ist vor allem auch, die Vergütung innerhalb einer Branche für Unternehmen verschiedener Größenklassen zu vergleichen. Hierfür zeigt nachfolgende Abbildung für die Branche „Verkehr, ÖPNV und Transport“ exemplarisch anhand des Größenklassenmerkmals „Zahl der Arbeitnehmer/innen“ einen Anstieg der Vergütung bei zunehmender Unternehmensgrößenklasse.

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  • Ein Mitglied des Top-Managements erhält in der Größenklasse
    „251-500 Arbeitnehmer/innen“  144.811 Euro
  • In der Größenklasse „501-1.000 Arbeitnehmer/innen“ werden 210.000 Euro gezahlt

Neben der absoluten Vergütung ist insbesondere die Betrachtung der relativen Vergütung in Bezug zu den Merkmalen der Unternehmensgröße erforderlich und für den Arbeitsalltag zusätzlich hilfreich. Hierfür werden zur Veranschaulichung in der Studie für die einzelnen Branchen sogenannte Punktewolken gezeigt, welche die Vergütung in Relation zur Zahl der Arbeitnehmer/innen, der Bilanzsumme oder dem Umsatz zeigen.

Durch diese graphische Verdichtung von Informationen können Organisationskomplexität und Größenunterschiede innerhalb der Branche berücksichtigt werden. Hierzu können die Vergütungsdaten in Relation zur Zahl der Arbeitnehmer/innen, zur Bilanzsumme und zum Umsatz gesetzt werden.

Nachfolgende Abbildung veranschaulicht diesen Ansatz exemplarisch. Ausführliche Erläuterungen zur Punktewolke, neben dem Beispiel unterhalb der Abbildung, finden Sie hier.

Anhand eines Fallbeispiels soll die Nutzung der obenstehenden Punktewolke zusätzlich erläutert werden. Das Unternehmen, für das eine Vergütungsentscheidung zu treffen ist, besitzt 500 Arbeitnehmer/innen, eine Bilanzsumme von 420 Mio. Euro und Umsätze von 200 Mio. Euro. Für das konkrete Fallbeispiel kann man sich, vereinfacht ausgedrückt, ein Lineal nehmen und dies bei der jeweiligen Abbildung auf der horizontalen x-Achse an der entsprechenden Zahl anlegen (gestrichelte vertikale graue Linie). Bei der Zahl der Arbeitnehmer/innen als Merkmal der Unternehmensgröße zeigt sich, dass sieben Unternehmen mit ähnlicher Zahl der Arbeitnehmer/innen zwischen 255.000 Euro und 405.000 Euro zahlen. Der Punkt, an dem sich Lineal und die Linie schneiden, sagt aus, dass die Gesamtvergütung pro Kopf bei einer derartigen Unternehmensgröße im Schnitt bei etwa 360.000 Euro liegt.

Sehr wichtig ist es wie betont, in allen Branchen nicht nur eine derartige Abbildung mit der Zahl der Arbeitnehmer/innen zu nutzen, sondern zudem den gleichen Abbildungsansatz für die Merkmale Bilanzsumme und Umsatz zu betrachten.

AUSBLICK

Das Vergütungsportal öffentliche Unternehmen bietet im Vergleich den aussagekräftigsten Orientierungsrahmen und ein umfassendes Analyseportfolio zur Alltagsunterstützung. Die Höhe und Ausgestaltung der Vergütung von Mitgliedern des Top-Managements öffentlicher Unternehmen ist ein wichtiges Thema mit hoher Ausstrahlungswirkung für eine nachhaltige Daseinsvorsorge.

Übergreifend verdeutlichen die Befunde einen hohen Analyse- und Reflexionsbedarf. Eine Versachlichung der Diskussion um dieses häufig als sensibel empfundene Thema ist weiter geboten. Um Entscheidungsträger/-innen zukünftig eine noch repräsentativere Datenbasis und zusätzlich differenzierte Auswertungen zu liefern sowie die öffentliche Hand bei Vergütungsentscheidungen kontinuierlich zu unterstützen, wird diese Studie langfristig fortgesetzt.

Wir würden uns sehr freuen, wenn sich bei der nächsten Abfrage weitere Gebietskörperschaften beteiligen würden. Neben dem Deutschen Städtetag stehen wir hierfür auch weiterhin mit den weiteren kommunalen Spitzenverbänden sowie entsprechend mit Bund und Ländern im Austausch. Im Februar 2018 wird die dritte Vergütungsstudie auf dem PCG-Forschungsportal erscheinen.

Die Studie ist eine große Chance für das öffentliche Gemeinwesen. Im Zusammenwirken von Wissenschaft und Praxis besitzt sie besondere Potenziale für die öffentliche Hand zur Stärkung einer nachhaltigen Daseinsvorsorge und für die Entscheidungskultur in diesem Handlungsfeld. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie unseren gemeinnützigen Ansatz unterstützen und die Studie in der Praxis weiterempfehlen.

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